Die entscheidenden Fragen

Seit den frühen 2000-er-Jahren gilt: Schwächelt die Konjunktur, sind die Notenbanken zur Stelle. Hatten letztere früher das Mandat, Preisstabilität sicherzustellen, hat sich dieser Fokus unter der Ägide der US-Notenbank «Fed» um den Faktor «tiefe Arbeitslosigkeit» erweitert. Die Fed hat dazu explizit das Mandat. Dies im Unterschied beispielsweise zur Schweizer Notenbank, welche die Preisstabilität und die Solidität des Finanzwesens als Auftrag hat.

Wie so oft geben auch bei den Notenbanken die Grossen den Takt vor, und so hat im Schlepptau von US-Notenbank-Chef Alan Greenspan ab 2005 auch die Europäische Zentralbank (EZB) begonnen, die Konjunktur steuern zu wollen. Allein: Der gute Wille dazu ändert nichts an der Tatsache, dass die Wirtschaft ein zu komplexes System ist, als dass es durch konventionelle Notenbankpolitik – also das Steuern von Zinssätzen oder der Geldmenge – allein gesteuert werden könnte.

Die Politik gibt die Richtung vor

In den letzten 10 Jahren haben die Währungs- und Konjunkturhüter aufgehört, einigermassen sanft und unabhängig von der Politik in den Markt einzugreifen. Nach der Finanzkrise wurde mit dem Aufkaufen von Staatsobligationen nicht nur ein Tabu gebrochen, es wurde auch auf das grobe Geschütz im Arsenal zurückgegriffen. Konjunkturelle Rückgänge sollten unter allen Umständen vermieden werden, weil man glaube, nach der Finanzkrise 2008/2009 seien die Volkswirtschaften zu fragil, um einen Abschwung zu prästieren. Nicht sämtliche, aber viele Tabus der Notenbankpolitik wurden gebrochen. Die Märkte haben sich gleichzeitig wie ein Süchtiger daran gewöhnt, dass die Währungshüter mit zusätzlichen «Drogen» dafür sorgen, dass es an den Märkten weiterhin bergauf geht.

Wie soll man sich in einer solchen, von den Notenbanken derart stark manipulierten Anlagewelt zukünftig verhalten?

Wille und Fähigkeit

In diesem Kontext stellen sich folgende Fragen:

  1. Wille zum Eingriff in den Markt: Wird das Primat der Politik via die Notenbanken als Handlanger an den Märkten in den kommenden Jahren fortbestehen? Mit anderen Worten: Haben die Notenbanken auch in Zukunft die Freiheit – ja sogar das politische Mandat –, um an den Märkten auch in den nächsten Jahren für Ruhe zu sorgen?
  2. Fähigkeit zum Eingriff: Wären dies dazu mit den ihnen zur Verfügung stehenden Instrumenten überhaupt in der Lage dazu?

Wir wissen es noch nicht. Aber es wird ein der Schwerpunkt unserer Analysen sein.

Dienen die Notenbanken auch zukünftig den Märkten zu, ist es gut möglich, dass sich Risikoanlagen weiter positiv entwickeln. Die Gefahr von Übertreibungen steigt dann jedoch weiter an.

Es bleibt auf alle Fälle spannend, denn das Tauziehen beginnt wohl erst.

(Beitrag von Arno Grüter)